Navigation

Zurück zur ROADMAP-Website

Inhalt

1. Was ist geschehen?

2. Offener Brief

3. Weitere Quellen

Aus aktuellem Anlass (2):

Erneute antisemitische Übergriffe in Magdeburg

 

Rückblick auf die Veranstaltungen gegen Antisemitismus am 13.06.07 und 27.06.07 in Magdeburg

Die vom Antifa Infoportal Magdeburg (AIP) ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe machte sich Antisemitismus, Antiamerikanismus, Antiimperialismus als reaktionäre Kapitalismuskritik und die Solidarität mit Israel zum Thema.

Zum Auftakt am 13.06.07 referierte ein Mitglied des "Bündnis gegen Antisemitismus Leipzig" unter dem Titel "Entweder Kritik der politischen Ökonomie oder reaktionärer Antikapitalismus".

Nach Ankunft der aus Leipzig angereisten UnterstützerInnen und VeranstaltungsteilnehmerInnen war die Situation am Veranstaltungsort, dem EineWeltHaus, zunächst sehr entspannt.

Es war jedoch ziemlich bald absehbar, dass sich dies im Laufe des Abends ändern sollte. Neben den ca. 50 BesucherInnen fanden sich ebenfalls zwei Personen der Gruppe International Solidarität (GIS) am Veranstaltungsort ein. Diese brachten ihren Unmut über das AIP und dessen Veranstaltung zunächst nur durch beiläufige Kommentare zum Ausdruck. Einer der beiden Personen wurde beim Betreten der Räumlichkeiten mitgeteilt, dass ihr der Eintritt nicht gestattet sei. Begründet wurde dies damit, dass sie bereits durch mehrere gewalttätige Übergriffe auf Mitglieder des AIP aufgefallen ist. Es war somit nicht auszuschließen, dass ihr Anliegen in einer Störung der Veranstaltung bestand. Hierbei wurde deutlich betont, dass ein Ausschluss all jener erfolgt, die sich durch sexistische, antisemitische, rassistische oder faschistische Äußerungen hervorgetan haben. Außerdem sind Personen, die durch Bedrohung und Angriffe auf (vermeintlich) antideutsche Personen aufgefallen sind, nicht erwünscht. Alle anderen, egal ob Mitglied bei Autonome Antifa Magdeburg (AAMD), GIS oder sonst (k)einer Gruppe, sollten durchaus an der Veranstaltung teilnehmen, da es nicht darum ging, Meinungen auszuschließen.

Die oben erwähnte Person, die aufgrund solcher Angriffe nicht erwünscht war, verließ daraufhin die Örtlichkeit, kehrte jedoch nur wenige Minuten später zurück. Des weiteren tauchten 9 Personen der AAMD auf, deren Mitglieder in der Vergangenheit ebenfalls zahlreiche Übergriffe auf AIPlerInnen und dessen Umfeld ausgeübt haben. Gemeinsam gesellten sie sich zu den Personen der GIS und positionierten sich demonstrativ auf dem Vorhof des EineWeltHaus.

Als die Veranstaltung gegen 19:30 Uhr beginnen sollte, versuchte die besagte Gruppe, erneut Zutritt zu den Räumlichkeiten zu erlangen. Einem Teil wurde der Zugang jedoch mit entsprechender Begründung (siehe oben) durch den Einlass untersagt, woraufhin sich einige Personen mit Mundschutz und Handschuhen ausstatteten und damit begannen handgreiflich zu werden. Nachdem der Einlass die Fausthiebe und Fußtritte abwehren konnte, verriegelte er die Eingangstür. Unglücklicher Weise befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch einige VeranstaltungsbesucherInnen außerhalb des Gebäudes. Unter anderem eine Person aus dem Umfeld des AIP. Sie wurde von den AngreiferInnen eingekreist, bekam einen Schlag ins Gesicht und fiel zu Boden. Beim Verlassen der Örtlichkeit sprachen einige Personen aus der Gruppe der AngreiferInnen noch Drohungen wie "Guten Heimweg!" und "Wir sehen uns später!" aus.

Nachdem sich die Situation beruhigt hatte und die Verletzten behandelt worden waren, konnte die Veranstaltung dennoch ohne weitere Zwischenfälle erfolgreich durchgeführt werden. Die BesucherInnen fanden großes Interesse an der Thematik, vor allem im Hinblick auf die geschehenen Ereignisse. Aufgrund eines Klimas der gegenseitigen Achtung und dem Willen an einer politischen Auseinandersetzung wurde bis in die späten Abendstunden diskutiert.
Im Anschluss an die Übergriffe auf die Veranstaltung feierten die AngreiferInnen diese auf Indymedia. Sie riefen dazu auf die folgenden Veranstaltungen des AIPs ebenfalls zu "verhindern" und zu "smashen".

Die zweite Vortrags- und Diskussionsveranstaltung fand am 27.06.07 unter dem Motto "Zur Kritik des Antisemitismus und des Antiamerikanismus. Solidarität mit Israel." statt . Sie stellte sogleich den Abschluss der Veranstaltungsreihe dar.

Als die UnterstützerInnen aus Leipzig am Hauptbahnhof Magdeburg ankamen, wurde ihnen eines schnell klar - auch die zweite Veranstaltung würde wohl nicht ohne Zwischenfälle verlaufen. Bereits am Bahnhof wurden die LeipzigerInnen von zwei Personen der AAMD empfangen. Eine der Personen war den LeipzigerInnen aufgrund der antisemitischen Übergriffe vom 27.01.07 in Magdeburg bereits bekannt. Ihre Aufgabe bestand scheinbar darin die Anzahl anreisender Personen zu überprüfen. Sie telefonierten aufgeregt herum und beobachteten die LeipzigerInnen auf Schritt und Tritt. Erst als diese in die Straßenbahn stiegen um in Richtung Veranstaltungsort zu fahren, wandten sich die AAMDler von ihnen ab. Eine weitere Person aus Leipzig, welche etwas später mit dem Zug nach Magdeburg reiste, allerdings bereits am Bahnhof Buckau ausstieg, begegnete dort ebenfalls 2 Personen, die die Anreise möglicher VeranstaltungsbesucherInnen zu beobachten schienen. Ihre Erkenntnisse "Das müssen dann wohl doch alle gewesen sein" leiteten sie per Telefon weiter.

Am Veranstaltungsort herrschte zunächst eine sehr gute Stimmung. Unter den mehr als 50 BesucherInnen, befanden sich viele, welche bereits an der ersten Veranstaltung teilgenommen hatten. Da sich die Anreise der ReferentInnen etwas verzögerte war absehbar, dass die Veranstaltung etwas später als geplant beginnen würde.

Kurz vor 19 Uhr näherte sich eine Person der GIS, welche sich bereits am 13.06.07 an den Übergriffen auf die erste Veranstaltung beteiligt hatte, dem Veranstaltungsort. Die BesucherInnen beschlossen sich in die Räumlichkeiten des EineWeltHauses zurückzuziehen und sich nicht provozieren zu lassen. Als nur kurze Zeit später etwa 15 bis 20 weitere Personen der GIS, AAMD, der Frauengruppe Magdeburg sowie zwei BerlinerInnen am Veranstaltungsort eintrafen, verriegelten die VeranstalterInnen die Eingangstür. Zunächst kam es nur zu verbalen Pöbelleien. Einige BesucherInnen versuchten die Situation über den Hinterhof einzusehen, wurden von den AngreiferInnen jedoch bemerkt und zurückgedrängt. Bevor auch die Hintertür von Innen verriegelt werden konnte, wurde diese von etwa acht Personen mit der Ansage "Die Tür bleibt offen!" blockiert. Die VeranstaltungsteilnehmerInnen mussten weitere Pöbelleien über sich ergehen lassen. Einer der Angreifer sagte "Wenn ihr nicht anfangen wollt, dann machen wir das mal" und spuckte mehreren Personen ins Gesicht. Andere Personen zückten Pfefferspray und sprühten damit unmittelbar auf die sich vor ihnen (im Eingangsbereich) befindlichen Personen. Außerdem wurden die BesucherInnen mit Schlägen und Fußtritten attackiert.

Viele flüchteten aufgrund des Pfeffersprayangriffs in die oberen Stockwerke. Dort versuchten sie die Fenster zu öffnen, damit das Gas entweichen konnte. Dies war jedoch nicht möglich, da die AngreiferInnen mit Steinen auf die an den Fenstern stehenden Personen warfen. Dabei wurde eine Scheibe im ersten Obergeschoss zerstört. Zu diesem Zeitpunkt gelang es den BesucherInnen, welche trotz dichten Gaswolken an der Hintertür blieben, diese zu schließen und somit die AngreiferInnen aus dem Gebäude zu halten.

Bevor die Mitglieder der GIS und der AAMD die Flucht antraten, griffen sie auch das Vorderhaus mit Steinen an. Die bereits einige Stunden zuvor am Bahnhof gesichtete Person, welche ebenfalls an den Übergriffen am 27.01.07 beteiligt war, warf gezielt einen Stein aus vier bis fünf Metern Entfernung auf das Gesicht einer Person, welche die Glastür des Haupteingangs sicherte. Der Stein durchschlug die Scheibe. Dank schneller Reaktionsfähigkeit und der Tatsache, dass es sich um eine Doppelglasscheibe handelte, erlitt die Person nur eine leichte Schnittwunde in der Nähe des Auges. Nachkommende BesucherInnen berichteten davon, dass weitere Personen aus dem Umfeld der GIS und der AAMD während der Übergriffe in den Seitenstraßen gesichtet wurden.

Etwa 30 Minuten nach den Ereignissen traf die Polizei ein. Diese, sowie zwei Krankenwagen, wurden vom Hausmeister des EineWeltHauses verständigt. Mehrere Personen mussten aufgrund ihrer Verletzungen ambulant behandelt werden.

Nachdem sich alle Anwesenden vom ersten Schock erholt hatten und die Räumlichkeiten durchlüftet wurden, konnte die Veranstaltung nach einstündiger Verspätung dennoch durchgeführt werden. Dies war den VeranstalterInnen und den BesucherInnen sehr wichtig, da sie somit ein eindeutiges Zeichen setzten. Sie brachten damit zum Ausdruck, dass sie sich durch die Angriffe der GIS, der AAMD und der Frauengruppe nicht einschüchtern lassen. Gemeinsam wurde über den Überfall diskutiert und alle waren sich darin einig, dass das Handeln der Gruppe Internationale Solidarität und der Autonomen Antifa Magdeburg strikt zu verurteilen ist. Die AngreiferInnen haben mit ihrer Gewaltbereitschaft wieder einmal gezeigt, dass sie bewusst schwere Verletzungen gegenüber Linken in Kauf nehmen. Die Gruppen GIS, AAMD und die Frauengruppe zeigten zu keinem Zeitpunkt Gesprächsbereitschaft oder waren gar an einer politischen Auseinandersetzung Interessiert. Bei den Angriffen auf die Veranstaltungen hat es sich ganz klar um gezielte, im Voraus geplante Aktionen gehandelt.

Unter diesen Umständen ist für uns eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Gruppen nicht möglich. Ein Ausschluss der GIS, der AAMD und der Frauengruppe aus allen linken Zusammenhängen muss Konsequenz dieser und früherer Übergriffe sein. Wir fordern daher alle dazu auf, Stellung zu den Magdeburger Verhältnissen zu beziehen.

— Leipziger Antifa (LEA) im Juli 2007

 

 

Offener Brief

Die Leipziger Antifa (LEA) veröffentlichte einen offenen Brief, in dem die Forderung nach Ausschluss der AAMD, GIS und Frauengruppe Magdeburg bekräftigt und die sie unterstützenden und mit an den Angriffen beteiligten Gruppen - namentlich die "Antinationale Neuköllner Antifa" und die FAU Berlin - zur Stellungnahme aufgefordert werden. (Lesen - PDF-Format, 95 kB)

 

 

Siehe auch:

Bericht zur Veranstaltung am 13. Juni und den Störversuchen

Bericht zu den Übergriffen auf TeilnehmerInnen der Veranstaltung am 27. Juni

Dokumentation der Übergriffe auf TeilnehmerInnen der Shoah-Gedenkkundgebung am 27. Januar

 

 

zuletzt aktualisiert am 14.07.2007