| Januar 2007:
Übergriffe auf TeilnehmerInnen einer
Shoah-Gedenk-Kundgebung in Magdeburg
Juni 2007: Angriffe
auf zwei Infoveranstaltungen gegen antisemitismus in Magdeburg
Roadmap
Politische Mindeststandards gegen
linken Antizionismus
Am
27. Mai 2006 kam es während einer Antifa-Demonstration in Wernigerode
mehrfach zu Übergriffen innerhalb der Demonstration. Antifas
wurden nach dem Rufen israelsolidarischer Parolen gewaltsam attackiert.
Dies war nicht der erste Vorfall dieser Art. Wir sind uns sicher,
dass es – leider – nicht der letzte sein wird. Es scheint
uns deswegen angebracht, aus den Vorfällen jetzt praktische
Konsequenzen zu ziehen.
Im Folgenden sollen Punkte aufgeführt werden,
die uns als einige Mindeststandards emanzipatorischer antifaschistischer
Arbeit gelten. Diese Punkte sind nicht zu verstehen als ein dogmatisches
Regelwerk, politisches Programm oder Repressionsinstrument –
sondern als ein Rahmen für Zusammenarbeit, der erst recht nötig
ist, weil die aktuellen Auseinandersetzungen über die Dimensionen
eines "Szenestreits" hinaus weisen.
Wir fordern diese Standards ein, da die Vernachlässigung
eben dieser Punkte und allerhand faule Kompromisse in der Vergangenheit
zu Toleranz gegenüber Bedingungen führten, unter denen
wir nicht länger agieren möchten: von antizionistische
Parolen über antisemitische Pöbeleien bis hin zur Gewaltanwendungen
gegen AntifaschistInnen, die als israelsolidarisch identifiziert
wurden.
1. Wir akzeptieren keine Verbote von Fahnen des Staates Israel
In der Vergangenheit gab es immer wieder formale
oder implizite Ansagen (z.B. in der Form von Bitten), keine Nationalfahnen
mitzuführen. Dieses Verbot richtet sich in aller Regel gegen
Israel-Fahnen, oft auch gegen die der Anti-Hitler-Koalition. Diese
Verbote sind für uns nicht akzeptabel.
Nicht vergessen werden darf nämlich, dass
die Gründung Israels Konsequenz der Verfolgung von Jüdinnen
und Juden war, die ihnen nicht nur ihre bürgerliche Emanzipation
versagte, sondern im Falle Deutschlands zur Massenvernichtung führte,
und Israel verfolgten Jüdinnen und Juden heute als Schutzraum
dient.
2. Wir dulden keine Angriffe auf israelsolidarische Antifas
Es ist uns dabei egal, ob solche Angriffe von
außen geschehen oder aus dem Inneren der Demonstration, ob
sie von Rechten oder Linken ausgehen und ob sie gezielte Angriffe
oder "nur" Provokationen darstellen. Attacken auf Israelfahnen
und ihre TrägerInnen legen – mindestens – einen
antizionistischen Hintergrund und damit eine untragbare politische
Intention nahe.
Die Ausrede, die TrägerInnen von Israelfahnen
würden durch das Präsentieren der Fahne oder israelsolidarische
Parolen Auseinandersetzungen provozieren wollen, ist kein Argument,
sondern Teil des Problems. Es sind Israel- und JudenhasserInnen,
die sich notwendig "provoziert" fühlen oder sich
gar genötigt sehen, dagegen vorzugehen.
3. Wir tolerieren keine anti-emanzipatorische Politik
Parolen wie "Intifada bis zum Sieg",
die Symbole reaktionärer Regimes und die verbale Unterstützung
sog. "Volksbefreiungsbewegungen", vor allem des judenfeindlichen
Terrors durch die palästinensische Intifada, haben in unseren
Strukturen und bei unseren Aktionen keinen Platz. Sie stehen für
die dichotome Weltsicht des Antiimperialismus, dem es um eine Untergliederung
der Welt in "gut" und "böse" geht, also
anstelle einer Gesellschaftskritik um eine Feindbildbestimmung,
die Ideologien wie Antisemitismus und Antiamerikanismus einschließt.
Tolerierbar werden derartige Positionen auch dann
nicht, wenn sie mit dem Hinweis relativiert oder versöhnbar
gemacht werden, dass ihre SympathisantInnen "trotzdem"
oder "auch" gegen Nazis sind und man doch für eine
"gemeinsame Sache" eintrete. Wenn der gängige Anti-Nazi-Massenansatz
derartige Strömungen einschließt und eine Plattform gibt,
ist uns das Anlass zur Kritik. Weil wir eine Praxis für nötig
halten, die eine Kritik an der gegenwärtigen Gesellschaft einschließt,
dürfen unsere eigenen Ansprüche und theoretischen Erkenntnisse
nicht auf der Strecke bleiben.
Unsere
künftige Kooperation mit anderen Zusammenhängen, unsere
Mitwirkung an Bündnissen und unsere Teilnahme an Demonstrationen
wird sich danach bemessen, ob nicht nur das Ziel der Kooperation
sich mit unseren Zielen deckt, sondern auch Organisation und Durchführung
garantieren, dass nicht unserem emanzipatorischen Anspruch zuwider
gehandelt wird.
Praktisch heißt das: An Bündnissen,
die durch Verbotsansagen – egal, wie sie formuliert werden
– antizionistische Positionen zu zementieren oder zu tolerieren
versuchen, werden wir uns nicht beteiligen. Auch in dem Falle, dass
wir auf einer Demonstration, an deren Vorbereitung wir nicht beteiligt
waren, mit solchen Ansagen konfrontiert werden, betrachten wir diese
als nicht bindend.
Wer durch antizionistische oder antisemitische
Positionen hervortritt, sei es verbal oder tätlich, ist von
Aktionen mit antifaschistischem Anspruch auszuschließen. AntizionistInnen
und AntisemitInnen gehören nicht in linke Strukturen, Bündnisse
und auf antifaschistische Demonstrationen. In diesem Zusammenhang
sehen wir uns im Zweifelsfalle in der Verantwortung, dies gemeinsam
mit den OrganisatorInnen durchzusetzen. Sollte dies nicht möglich
sein, endet ansonsten an diesem Punkt unsere Mitwirkung.
Keine faulen Kompromisse zu Gunsten von AntizionistInnen mehr!
Leipziger Antifa (LeA) and friends, September
2006.
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